Vergangenheit / Gegenwart / Zukunft Kamerun

 
Das Theaterprojekt >>Vergangenheit / Gegenwart / Zukunft Kamerun<<  ist eine deutsch- kamerunische Zusammenarbeit mit Künstlern aus Yaounde und Berlin. 

Anlass für die Produktion ist das 100-jährige Jubiläum des Endes des 1. Weltkrieges 2018. Das Projekt beleuchtet die deutsche Kolonialgeschichte und dessen Folgen in Kamerun bis in die heutige Zeit. Die Premiere war am 28.06.19 in Yaounde, für 2020 ist eine Gastspielreise in Frankreich und Deutschland in Planung. Das Theaterstück ist auf Französisch, dauert ca. 130 Minuten, es kann englische und deutsche Übertitel geben.

Über das Theaterstück:

Betty Tchako ist die Tochter Kamerunescher Einwanderer. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und absolvierte ein Regiestudium an der renommierten „Ernst Busch Schule“ in Berlin. Kamerun kennt sie nur aus den Geschichten der Eltern. Sie weiß wenig über ihre Wurzeln, ihr Blick in die Heimat ihrer Eltern ist so romantisch wie politisch. Sie möchte ein aufgeklärtes und ästhetisch modernes  Theaterstück machen, eine Stückentwicklung, die sich mit den Themen Korruption, Feminismus und Neo- Kolonialismus befasst. Als junge, moderne "person of colour" fällt es ihr leicht, eine Förderung vom Auswärtigen Amt für eine Theaterproduktion in der Hauptstadt Kameruns zu bekommen. Zu ihrer Premiere muss Betty Tchako erleben, dass ihre Schauspieler nicht mehr aufzufinden sind; stattdessen treten überraschend fünf Personen auf die Bühne. Sie stellen sich als Georg, Maria, Paul, Ibrahim und Jesko vor, die auf der Suche nach einem Autor sind, der Ihre Geschichte erzählt. Schnell entpuppen sich die unerwünschten Gäste als Personen von historischer Größe, ungerufene Geister aus der Vergangenheit, genauer  aus der deutschen Kolonial- Geschichte, die sich Bettys Bühne zu eigen machen. Die fünf Charaktere Georg Zenker, Maria Mandessi Bell, Paul Samba, Ibrahim Ngoya  und Jesko von Puttkammer stehen archetypisch für verschiedene politische Positionen, die während der Kolonialzeit vertreten wurden und bis heute in den Köpfen der Menschen zu finden sind. 

In unserem Theaterstück mischen sich drei dramaturgische Ebenen.

1. Die „geschichtliche Dimension“ die jeder einzelne Charakter mitbringt und die er oder sie erzählen möchte.
2. Der „Kampf um die Wahrheit“ der Geschichtserzählung. Dadurch dass die fünf Charaktere unterschiedliche Positionen zur kolonialen Vergangenheit vertreten, gibt es Konflikte unter ihnen, prallen diese verschiedenen „Wahrheiten“ aufeinander. 
3. Der Bezug zu „heute“, welcher sich im Verhältnis der fünf Charaktere zur jungen Regisseurin einstellt. Betty glaubt zu wissen  „Was all die vergessenen Geschichten mit heute zu tun haben, mit der Korruption im Land, mit dem Bürgerkrieg, mit dem Neokolonialismus und der Rolle der Frau!“ aber die widersprüchlichen Positionen der fünf Personen hinterfragen Ihre Thesen aus Ihren „post-kolonialen Studien“ .

 

 

Während sich diese drei Ebenen vermischen und Betty’s Interesse am Thema steigt, entwickelt sich vor den Augen des Publikums die Inszenierung. Dabei muss auch sie sich kritisch die Frage stellen, inwieweit sie als „Deutsche Regisseurin“ und mit „deutschem Budget“  koloniale Strukturen wiederholt. Schafft Betty das Kunststück, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu versöhnen oder fordert sie in einem theatralen Akt der Selbstjustiz die Wiedergutmachungen für die Verbrechen der Vergangenheit? Kann Sie aus den historischen Narrativen ein postmodernes, ästhetisch anspruchsvolles Theaterstück machen, trotz der begrenzten Mittel und der politischen Dominanz der Thematik?  Was hinterlässt sie und was lernt sie über die Heimat ihrer Eltern, wie wird sie und ihre Haltung durch die Konfrontation mit der deutsch/kameruneschen Kolonialvergangenheit verändert? 

AUTOR Juvenil Assomo REGIE Jens Vilela Neumann SPIEL Jacobin Yarro, Massan á  Biroko, Doris Meli, Nhyomog Lyonga Evan Boris, Fonjang Mekano Chia, Landry Nguetsa MUSIK Skrimm, Doris Meli, Areth Yadala BÜHNEN- KOSTÜMBILD Nicole Timm, Hervé Ngomé  TECHNIK Cendrine Zobo VIDEO Jens Vilela Neumann LOKALER PRODUZENT Landry Nguetsa


Dieses Projekt wird durch das Auswärtige Amt gefördert und steht in der Tradition folgender vom Auswärtigen Amt geförderten Projekte: 2015 >>Ibsens Volksfeind in Simbabwe<<, 2014 >>Kleists Michael Kohlhaas in Angola<<, 2013 >>Identity a bloody Romance<< und 2012 „Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame“ in Mosambik.