ZUM GUTEN MENSCHEN

Das Ensemble “Die Zerstreuten“

Das Ensemble “Die Zerstreuten“ ist eine multikulturelle Theatergruppe mit Sitz in Berlin- Köpenick. Wir kommen aus Afghanistan, Kolumbien, Köpenick, Sachsen, Sibirien und Syrien. 


die Zerstreuen

 

TEXT & REGIE: Jens Vilela Neumann SPIEL: Houssam Safari, Florian Ritter, Christine Wünsch, Jabbar Mohammadi, Olga Bauer, Nadine Gernandt, Alvaro Sanchez Rosero BÜHNE & KOSTÜM: Anneke Frank, Katri Saloniemi FOTOGRAFIE / BRANDING Florian Ritter 

 

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Über das Theaterstück

Der Rassismus frisst sich durch Deutschland. Mit dem Angriff auf die politische Korrektheit geht  die Behauptung einher, dass die gegenwärtige Bundesrepublik in Wirklichkeit eine Meinungsdiktatur ist. Demokratieverachtung und politische Destabilisierung sind die Folgen, wenn die Sprache nicht mehr korrekt ist, unsere freie Presse als Lügenpresse bezeichnet wird, die Bundeskanzlerin als Volksverräterin. Wörter sind das Besteck des Denkens! Die Frage ist also, worüber spricht die Gesellschaft? Wer spricht? Das ist meist eine Parallelgesellschaft aus alten weißen Männern (was vielleicht die komischste Übersetzung von white supremacy ist) - wir wollen dem Diskurs die „Betroffenheit der Betroffenen“ hinzufügen. Wir wollen die im öffentlichen und privaten Sprachgebrauch unsichtbaren oder versteckten Ablehnungen ans Licht holen und widerspiegeln. 

Wir zeigen Ihnen eine Abrechnung mit dem eigenen versteckten Rassismus, der sich als politisch korrektes Selbstverständnis tarnt. Wir zeigen Ihnen ein Reinigungsritual!

Die Schauspieler*innen der interkulturellen Theatergruppe der „Zerstreuten“ sind sich sehr bewusst darüber, wie sie in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden und erfahren, wie sich diese Wahrnehmung auf die Kommunikation mit den „alteingesessenen“ Deutschen auswirkt - selbst wenn die „politische Korrektheit“ noch verhindert, dass sich Vorurteile und Ressentiments sprachlich gegen sie richten.

Aber dieser Schutz ist bedroht, denn die politisch rechten bzw. konservativen Denkweisen kritisieren die Verwendung und Dominanz „politisch korrekter“ Sprache als Zensur und Einschränkung der Redefreiheit. Diskurse sind zum einen ein Werkzeug, Denken in eine bestimmt Richtung zu lenken, aber an diesen kann auch abgelesen werden, um was gesellschaftspolitisch aktuell gerungen wird. Denn das Ringen um Diskurse ist das Ringen um Hegemonie. 

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Wir möchten uns auch die „Kampfplätze“ des Diskurses anschauen: die Politik, die Medien/Presse und den „Volksmund“. Wie beeinflussen diese drei „Player“ sich gegenseitig - eine dankbare Einladung für konfliktreiche Dialoge und Statusspiele auf der Bühne.

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Wer darf worüber sprechen? 

Dürfen nur Migranten*innen über Migration sprechen? Darf nur das Gorki Theater diese Thema dramatisch bearbeiten? Darf nur ein Afrikaner über die Kolonialismus reden? Nur ein Syrer über die syrische Community in Berlin? Nur ein Transsexueller über die Gender Thematik? Sollten Bücher wie „Der Struwwelpeter“, die überholte Sichtweisen zu politisch sensiblen Themen vertreten, verbrannt werden? Warum ist es ein Tabu zu sagen, dass die Integration langsam voran geht oder dass es zu viele Parallelgesellschaften gibt?

Sprache ist performativ und beschreibt somit nicht nur die Welt, sondern konstruiert sie und bringt die Dinge praktisch erst hervor, weil sie die Wahrnehmung der Wirklichkeit strukturiert.

Nutzen wir also die Sprache, um uns für unsere Sache stark zu machen, um uns diskursiv für Gleichberechtigung, Emanzipation und respektvollem Umgang einzusetzen und erniedrigende Klischees zu sprengen.

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Aus dem Theaterstück:  

In der Badewanne, am Rand Spielfiguren „Indianer und Cowboy“, die von Sabine mit einem Luftgewehr abgeschossen werden. Mohammed reicht ihr ein Whiskyglas.

Mohammed: Die besten Absichten haben schon zu den schlimmsten Resultaten geführt.

Sabine: Man wird ja wohl noch fragen dürfen.

Mohammed: Das ist einfach für dich zu sagen.

Sabine: Wir versuchen die Sprache der Mathematik anzugleichen. Wörter werden Zahlen, Zahlen können richtig oder falsch sein. Die Sprache wird zur Rechnung, am Ende wird abgerechnet.

Mohammed: Du bist ja nie ein Opfer der falschen Zahlen, der verletzenden Worte. Ich bin ein Teil dieser Gesellschaft. Ich will das nie wieder hören.

Sabine: Ich gehöre zu den Gewinnern, zu „den Weißen“. So nennen mich meine neuen POC-Mitspieler. Ich sollte und müsste mich also gut fühlen. Ich fühle mich aber nicht gut!!

Mohammed: Warum? Du hast doch alles? 

Sabine: Alles habe ich eben nicht und da rede ich jetzt nicht von materiellen Sachen!

Mohammed: Du profitierst von der Ausbeutung der Anderen und willst dich trotzdem gut fühlen?

Sabine: Ich profitiere von der Ausbeutung der Anderen? - das finde ich jetzt etwas übertrieben!

Mohammed: Ok, du gehörst zu den reichen 10% der Welt, du weißt über die Ungerechtigkeit, aber du möchtest dich trotzdem gut fühlen!

Sabine: Ich möchte zumindest nicht ständig daran erinnert werden!

Mohammed: Du willst, dass alles so bleibt!

Sabine: Ich will nicht, dass alles so bleibt, dann wäre ich ja ein schlechter Mensch. Wenn ich wüsste, dass es anderen schlecht geht, damit es mir gut geht und ich wollte das alles so bleibt, das wäre bösartig. Aber ich will auch nicht, dass es mir schlechter geht! 

Mohammed: Du willst nicht, dass es dir schlechter geht, du willst, dass alles so bleibt! 

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Unsere unbedingte Buch Empfehlung zum Thema: EXIT RACISM - Das Handbuch von Tupoka Ogette, um die Entstehung, Strukturen und Wirkungsweisen von Rassismus in Deutschland zu verstehen. Mehr unter: https://www.exitracism.de

 

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Mir freundlicher Unterstützung von dem Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur