DIE ZERSTREUTEN

Das Ensemble “Die Zerstreuten“ ist eine multikulturelle Theatergruppe mit Sitz in Berlin- Köpenick. Wir kommen aus Afghanistan (Jabbar Mohammadi), Kolumbien (Alvaro Sanchez), Köpenick (Christine Wünsch), Sachsen (Jens Vilela Neumann), Sibirien ( Olga Bauer), Frankfurt (Nadine Gernandt, Florian Ritter) und Syrien (Housam Safari). Wir stellen uns ­auf persönliche und kreative Weise den kulturellen Wider­sprüchen und Ansichte­n, die im Alltag und im öffentlichen Diskurs aktuell verhandelt werden.

 

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Aktuell: ZUM GUTEN MENSCHEN - über das Theaterstück


Premiere ist am 21.01.22 im THEATER-OST (Moritz-Seeler-Straße 1 - 12489 Berlin) um 19:00 Uhr Karten unter: kartenverkauf@theater-ost.de / Öffentliche Proben gibt es im OPZ am 5.12.21 um 18 Uhr und am 6.12.21 um 19 Uhr (Demminer Str. 28, 13355 Berlin) Anmeldungen über: pgpassistenz@gmail.com

Der Rassismus frisst sich durch Deutschland. Mit dem Angriff auf die politische Korrektheit geht  die Behauptung einher, dass die gegenwärtige Bundesrepublik in Wirklichkeit eine Meinungsdiktatur ist. Demokratieverachtung und politische Destabilisierung sind die Folgen, wenn die Sprache nicht mehr korrekt ist, unsere freie Presse als Lügenpresse bezeichnet wird, die Bundeskanzlerin als Volksverräterin. Wörter sind das Besteck des Denkens! Die Frage ist also, worüber spricht die Gesellschaft? Wer spricht? Das ist meist eine Parallelgesellschaft aus alten weißen Männern (was vielleicht die komischste Übersetzung von white supremacy ist) - wir wollen dem Diskurs die „Betroffenheit der Betroffenen“ hinzufügen. Wir wollen die im öffentlichen und privaten Sprachgebrauch unsichtbaren oder versteckten Ablehnungen ans Licht holen und widerspiegeln. 

Wir zeigen Ihnen eine Abrechnung mit dem eigenen versteckten Rassismus, der sich als politisch korrektes Selbstverständnis tarnt. Wir zeigen Ihnen ein Reinigungsritual!

Die Schauspieler*innen der interkulturellen Theatergruppe der „Zerstreuten“ sind sich sehr bewusst darüber, wie sie in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden und erfahren, wie sich diese Wahrnehmung auf die Kommunikation mit den „alteingesessenen“ Deutschen auswirkt - selbst wenn die „politische Korrektheit“ noch verhindert, dass sich Vorurteile und Ressentiments sprachlich gegen sie richten.

Aber dieser Schutz ist bedroht, denn die politisch rechten bzw. konservativen Denkweisen kritisieren die Verwendung und Dominanz „politisch korrekter“ Sprache als Zensur und Einschränkung der Redefreiheit. Diskurse sind zum einen ein Werkzeug, Denken in eine bestimmt Richtung zu lenken, aber an diesen kann auch abgelesen werden, um was gesellschaftspolitisch aktuell gerungen wird. Denn das Ringen um Diskurse ist das Ringen um Hegemonie. 

 

TEXT & REGIE: Jens Vilela Neumann SPIEL: Houssam Safari, Florian Ritter, Christine Wünsch, Jabbar Mohammadi, Olga Bauer, Nadine Gernandt, Alvaro Sanchez Rosero BÜHNE & KOSTÜM: Anneke Frank, Katri Saloniemi FOTOGRAFIE / BRANDING Florian Ritter 

Wer darf worüber sprechen? 

Dürfen nur Migranten*innen über Migration sprechen? Darf nur das Gorki Theater diese Thema dramatisch bearbeiten? Darf nur ein Afrikaner über die Kolonialismus reden? Nur ein Syrer über die syrische Community in Berlin? Nur ein Transsexueller über die Gender Thematik? Sollten Bücher wie „Der Struwwelpeter“, die überholte Sichtweisen zu politisch sensiblen Themen vertreten, verbrannt werden? Warum ist es ein Tabu zu sagen, dass die Integration langsam voran geht oder dass es zu viele Parallelgesellschaften gibt?


Sprache ist performativ und beschreibt somit nicht nur die Welt, sondern konstruiert sie und bringt die Dinge praktisch erst hervor, weil sie die Wahrnehmung der Wirklichkeit strukturiert.

Nutzen wir also die Sprache, um uns für unsere Sache stark zu machen, um uns diskursiv für Gleichberechtigung, Emanzipation und respektvollem Umgang einzusetzen und erniedrigende Klischees zu sprengen.

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Aus dem Theaterstück:  

In der Badewanne, am Rand Spielfiguren „Indianer und Cowboy“, die von Sabine mit einem Luftgewehr abgeschossen werden. Mohammed reicht ihr ein Whiskyglas.
Mohammed: Die besten Absichten haben schon zu den schlimmsten Resultaten geführt.

Sabine: Man wird ja wohl noch fragen dürfen. Wir versuchen die Sprache der Mathematik anzugleichen. Wörter werden Zahlen, Zahlen können richtig oder falsch sein. Die Sprache wird zur Rechnung, am Ende wird abgerechnet.

Mohammed: Du bist ja nie ein Opfer der falschen Zahlen, der verletzenden Worte. Ich bin ein Teil dieser Gesellschaft. Ich will das nie wieder hören.

Sabine: Ich gehöre zu den Gewinnern, ich sollte und müsste mich also gut fühlen. Ich fühle mich aber nicht gut!!

Mohammed: Warum? Du hast doch alles? 

Sabine: Alles habe ich eben nicht und da rede ich jetzt nicht von materiellen Sachen!

Mohammed: Du profitierst von der Ausbeutung der Anderen und willst dich trotzdem gut fühlen?

Sabine: Ich profitiere von der Ausbeutung der Anderen? - das finde ich jetzt etwas übertrieben!

Mohammed: Ok, du gehörst zu den reichen 10% der Welt, du weißt über die Ungerechtigkeit, aber du möchtest dich trotzdem gut fühlen!

Sabine: Ich möchte zumindest nicht ständig daran erinnert werden!

 

Unsere unbedingte Buch Empfehlung zum Thema: EXIT RACISM - Das Handbuch von Tupoka Ogette, um die Entstehung, Strukturen und Wirkungsweisen von Rassismus in Deutschland zu verstehen. Mehr unter: https://www.exitracism.de 

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EVADAM - Experimente am Mythos

2019 stellten wir uns dem Thema Religion, Gender, und Sexu­alität. Neben der Auseinandersetzung mit dem Mythos von Adam und Eva hat uns beschäftigt, wie und ob Männer und­ Frauen mit den aktuellen Herausforderungen des Alltags und den damit verbundenen Rollenvorstellungen umgehen (können). "EVADAM - Experimente am Mythos" ist das Ergebnis von Auseinandersetzungen aus verschiedenen kulturellen Perspektiven der Zerstreuten im Hinblick zu folgenden Fragen: Welche Geschlechterrollen kenne ich durch meine Erziehung und welche Bilder und Erwartungen werden damit verbunden? Wie stehe ich selbst zu diesen? Wie prägt der Mythos von Adam und Eva noch heute unsere Gesellschaft. Liebe - die Herausforderungen im Alltag, in der Ehe oder als Patchworkfamilie. Erinnerungen, Erlebnisse von Konflikten zu diesem Thema - wie gehen wir mit Spannungen zum Thema innerhalb der Gruppe um? Welche Ängste/ Bedrohungen empfinden wir in den neuen und alten Gender-Modellen?

Gott als Regisseur, Adam und Eva als Prototyp von Mann und Frau und die Liebe ein Experiment in der Endlosschleife. Bei dem Versuch, dem größten Mythos aller Zeiten neue Schönheit, Macht und Einfluss einzuhauchen, trifft Gott auf seine Schauspieler*innen samt deren begrenztem Beziehungsvermögen. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, sexuelle Präferenzen und Erfahrungen mit der Liebe, die nicht den romantischen Vorstellungen des Regisseurs entsprechen, werfen die Fragen auf: Wer hat eigentlich die Macht im Kanon der Geschichtenerzähler*innen? Welcher Mythos erschafft welche Gesellschaft? Ist die „romantischen Liebe" und die Monogamie noch zu retten und was sagen eigentlich Eva und Adam dazu? Live-Musik und Videoprojektionen unterstützen die Suche nach dem „Wesen der Liebe".


TEXT & REGIE: Jens Vilela Neumann SPIEL: Housam Safari, Franziska Kohlhoff, Christine Wünsch, Claudia Pomares, Norman Glatzer, Jabbar Mohammadi, Ahmed Zakaria Soliman, Florian Ritter 

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AUF&ABprall- von der­ Kunst, Krisen zu bewä­ltigen

2018 w­idmeten wir uns in unse­r ersten Inszenierung­ „AUF&ABprall- von der­ Kunst, Krisen zu bewä­ltigen“ dem Thema „Re­silenz“, psychischer Widerstandskraft, welches uns untereinander und auch­ mit dem Publikum ver­bindet.

Sind Sie anpassungsfähig, belastbar, aufmerksam, tüchtig und gescheit? Sind sie eher der verletzliche Typ, der Probleme verdrängt oder vermeiden Sie Konfrontationen ganz und gar? Wie achten Sie auf Ihre psychische Gesundheit?

Auf humorvolle und dramatische Weise widmet sich das „Ensemble der Zerstreuten“ der Frage, warum manche Menschen widerstandsfähiger sind als andere und welches Geheimnis hinter einem gesunden Selbstvertrauen steckt. Eine universelle Lösung gibt es nicht, dafür aber verschiedene Perspektiven aus unterschiedlichen Kulturen. Die gemeinsame Suche nach „dem Schlüssel zur Widerstandsfähigkeit“ wird von Livemusik begleitet. 

Mit: Habibullah Bigzada, Franziska Kohlhoff, Sarah König, Diana Londono, Claudia Pomares, Houssam Safari, Christine Wünsch und Jens Vilela Neumann (Regie & Text). Bühne und Kostüm: Nicole Timm Technische Betreuung: Susi Wolff

 

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Die Gründungsmitglieder der "Zerstreuten"


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Christine Wünsch ist Berlinerin, Theaterwissenschaftlerin und spielte seit ihrer Jugend schon in mehreren Theaterproduktionen. Theater ist sozusagen neben der Musik ihre Leidenschaft, denn Christine liebt es, Teil eines großen Gesamtkunstwerks zu sein.

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Hosam Safari  ist 2016 aus Syrien nach Berlin geflohen. In Syrien ist er ein beliebter Comedian. Er genießt es vor Publikum mit anderen Menschen zu interagieren und in unterschiedliche Gefühlswelten einzutauchen.

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Als Jabbar Mohammadi 2015 aus Afghanistan nach Berlin kam, hat er sofort mit dem Theaterspielen begonnen. Es hilft ihm, deutsch zu lernen. Aber vor allem liebt er es, in andere Rollen und Emotionen zu schlüpfen und die Reaktionen der Menschen auf sein Spielen zu beobachten.

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Claudia Pomares hat 2013 ihre spanische Heimat verlassen und lebt seitdem in Berlin. Sie versetzt sich gern in anderer Menschen Emotionen, was ihr beim Theaterspielen zugutekommt. Andere Rollen und das Zusammenspielen mit verschiedenen Menschen begeistern sie. 

 

Die "Zerstreuten" aktuell: von links nach rechts: Jabbar Mohammadi, Christine Wünsch, Alvaro Sanchez Rosero, Jens Vilela Neumann, Olga Bauer, Nadine Gernandt, Houssam Safari, Florian Ritter (hinter der Kamera).

 

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Mir freundlicher Unterstützung von dem Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur


Bezirksamt